In Düsseldorf nimmt mich besagte Freundin in Empfang. Gleich am nächsten Morgen fahren wir zum Bergmannsheil, einer renommierten Sportklinik.
Diagnose
Meine Krankenkassenkarte habe ich nicht mit dabei. Die hatte ich zu Beginn der Reise zu Hause gelassen. Einen Behandlungsschein der Krankenkasse kann man in der Notaufnahme nicht brauchen.
Morgens habe ich leider zudem vergessen, meinen Ausweis einzustecken. Generell wundert man sich dort, warum ich, obwohl in Kassel ansässig, die Notaufnahme in Bochum aufsuche.
Trotzdem untersucht man mich. Fazit: Alles so weit in Ordnung. Weitere Behandlung mit 3-mal täglich Isoprofen, da entzündungshemmend. Bei Problemen soll in der ambulanten Sprechstunde vorstellig werden.
Das Knie ist weiterhin geschwollen und es fällt schwer, es über einen bestimmten Winkel hinaus zu beugen. Und, wie Danial (der Arzt), raten die Ärzte dazu, ein MRT zur gesicherten Abklärung anzufertigen.
MRT
Nach ein paar Tagen fahre ich zu meinem Vater weiter und schlage dort Quartier auf. Seine Frau und er hatten schon versucht, Notfalltermine bei verschiedenen Orthopäden zu bekommen: Leider ohne Erfolg.
So setze ich mich ins Auto und fahre direkt zu meinem angestammten Orthopäden nach Kassel. Man bietet mir einen Termin in zwei Wochen an.
Als ich deutlich mache, dass ich etwas Kurzfristigeres bräuchte, verweist man mich an eine Klinik. Auch dort will man mich allenfalls in die Notaufnahme schicken. Der Hinweis darauf, dass das in Bochum schon geschehen sei, hilft nichts.
Kurzentschlossen konsultiere ich meinen Hausarzt. Der stellt mir sofort eine Überweisung für das MRT aus. Sobald ich den Befund habe, soll ich wiederkommen.
Ich telefoniere mit verschiedenen MRT-Standorten: frühester Termin in zwei Wochen. Beim letzten frage ich: „Und, wenn ich das selber zahle?“ „Dann kommen Sie morgen früh um 8.30 Uhr.“
Am nächsten Morgen bin ich pünktlich da. Nach etwas über einer Stunde habe ich nicht nur die CD mit den MRT-Bildern, sondern auch den Befund in der Hand. Bei einem Krankenkassentermin kann letzteres bis zu einer Woche dauern.
Mein Allgemeinarzt wundert sich, dass ich schon wieder da bin. Ich erkläre ihm, wie ich das geschafft habe. „Und, was hat es gekostet?“, fragt er mich. „255 Euro.“ „Gut investiertes Geld“, meint er knapp und wendet sich dem Befund zu.
Er teilt mir mit, dass ich noch eine Woche in Deutschland ausruhen soll, dann könne ich weiterreisen.
Vorbereitungen
Ich mache mich sofort an die weitere Reiseplanung. Neuseeland steht auf dem Programm. Auf der Südhalbkugel beginnt dort schon der Herbst. Danach will ich nach Australien weiter. Am Abend kommt überraschend eine Mail herein: ein Angebot zum Mitsegeln.
Ich hatte mich bei verschiedenen Organisatoren für Schiffsüberführungen als Crewmitglied beworben. Das ist die günstigste Möglichkeit, auf Langfahrt zu gehen und Erfahrungen zu sammeln.
Ich öffne das Angebot: Überführung einer Ovri 41 (ein 12,3 Meter langer Segler) von Puerto Rico nach Spanien. 3000 Seemeilen, 30 Tage, Start: Ende 22. April.
Sofort fülle ich den Antwortbogen aus. Schon einen Tag später kommt die Mitteilung, ich sei in der engeren Auswahl. Zwei Tage darauf folgt die definitive Zusage.
Ich setze mich an die weitere Planung. 8 Wochen bis zum Abfahrttermin. Für Vorbereitungen vor Ort ziehe ich eine Woche ab.
Das heißt 3 Wochen Neuseeland, 4 Wochen Australien. Alles ein bisschen knapp. Man kann nicht alles haben.
Ich buche den Flug nach Neuseeland, beantrage die Einreise. Neuseeland stellt dafür besondere Anforderungen. Ich bisher nur, dass ich keine Nahrungsmittel einführen darf.
Nun lese ich, dass Wandersachen (vor allem die Schuhe) keine Anhaftungen haben dürfen. Zu groß die Angst, durch Einschleppung von Samen u.ä. endemische Pflanzen zu gefährden.
Also: Schuhe intensiv schrubben. Rosel, die neue Frau meines Vaters, bietet sich an, verschiedene Kleidungsstücke zu flicken.
Internationaler Führerschein
Noch einmal fahre ich nach Kassel. Auf der Tour durch Asien hatte ich festgestellt, dass der Führerscheinstelle beim Ausstellen meines internationalen Führerscheins ein Fehler unterlaufen ist: Die großen Motorräder wurden nicht freigestempelt.
Eigentlich hat das Amt erst Termine für April. Als ich im Rathaus anrufe und meine Situation schildere, verspricht man mir einen Rückruf. Zwei Stunden später klingelt mein Telefon und ich bekomme einen Notfalltermin.
Anstandslos wird der Führerschein korrigiert.
Ohne Vorwarnung schaue ich noch bei meiner Klettergruppe vorbei, die es kaum fassen kann, dass ich plötzlich vor ihnen stehe.
Noch zwei Tage bis zum Abflug, alles ist fertig: Schuhe geschrubbt, Gepäck zusammengestellt, Kleidung gewaschen.
Noch besser: 18 Blogbeiträge habe ich im zurückliegenden Monat geschrieben, fünf Videos geschnitten. Endlich ist alles auf Stand!
Nun kann es endlich losgehen.
Neuseeland, Australien, Atlantikquerung: Ich komme!


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