Sleeper Bus.

Die Fähre bringt uns morgens über den Mekong und von dort geht es mit dem Minibus nach Pakse. Tina vom Heaven Guesthouse hat alles für mich organisiert.

Nach zwei Stunden auf schlechten Straßen platzt ein Reifen. Der Fahrer hat weder Werkzeug noch Ersatzreifen dabei und ruft seine Firma an.

Wir sitzen derweil im Schatten unter Bäumen irgendwo zwischen Nagasonk und Pakse. Schließlich trifft Hilfe ein und den drei Männern gelingt es, den Reifen zu wechseln. Wir spenden gebührenden Applaus.

Mit zwei Stunden Verspätung treffe ich bei Tina ein. Sie hat schon mehrfach die Agentur angerufen und gefragt, wo ich bleibe. In ihrem kleinen Hotel habe ich vier Stunden Aufenthalt, dann werde ich für den Nachtbus abholt.

Großzügig bietet sie mir ein Zimmer an, um mich in der Zwischenzeit auszuruhen. Ich lehne dankend ab, der Blog ruft. Es ist noch so viel zu schreiben.

Um 19.30 Uhr bringt mich ein Shuttle zum Sammelbahnhof. Dort treffe ich die zwei Reisenden wieder, die ich auf Don Det kennengelernt habe. Wir vergleichen unsere Tickets. Wir haben die 5er-Koje ganz hinten, im oberen Stock des Doppelstockbusses.

Saskia hatte mir schon so einiges über Nachtbusse erzählt. Wir steigen ein, müssen unsere Schuhe ausziehen und zwängen uns durch den engen Gang hindurch, der auf beiden Seiten von Doppelkojen gesäumt ist. Dann geht es eine enge, gewundene Treppe hinauf.

Im oberen Stockwerk muss ich meinen kleinen Rucksack kriechend hinter mir herziehen. Hinten angekommen, falte ich mich in die 5er-Koje, die die ganze Breite des Busses einnimmt.

Die Kojen sind auf asiatische Verhältnisse zugeschnitten. Schlimmer als mich trifft es meinen Kollegen, er ist 15 cm länger als ich. Wenn wir hinten zu dritt bleiben, könnte es einigermaßen bequem auf der 13- bis 16stündigen Reise werden.

Kritisch beäuen wir jeden Einsteigenden. Doch die 2 Plätze zwischen uns bleiben frei. Als der Bus endlich losfährt, kommt Erleichterung auf. Wir machen es uns einigermaßen bequem und versuchen zu schlafen.

Doch unser Glück währt nicht lange. Der Bus hält noch einige Male. Schließlich kommt ein Mann auf uns zugekrochen. Er regt sich darüber auf, dass sein Platz mit unseren Sachen besetzt ist.

Schnell räumen wir alles so gut wie möglich beiseite. Der Laote sitzt im Schneidersitz und beginnt lauthals für die nächsten drei Stunden zu telefonieren.

Dabei dreht er seinen Oberkörper hin und her. Seine Jacke, die er um sich um die Hüften geschlungen hat, streift fortwährend meine Beine, so dass an Einschlafen nicht zu denken ist.

Ich drücke mich auf das Laken, das seit geraumer Zeit keine Waschmaschine gesehen hat. 700 km bis Vientiane. Die Landstraße ist durchsetzt mit Schlaglöchern. Der Bus schwankt heftig. Wir werden hin und her geworfen.

Schon bald merke ich, dass ich zu gut hydriert bin. Also zwänge ich mich durch den engen Gang und die Treppe hinunter. Die Toilette wartet mit einer Überraschung auf. Sie ist ebenerdig und die Spülung defekt. Dafür wurden große Gefäße aufgestellt, um daraus Spülwasser schöpfen zu können.

Da der Bus heftig schwankt, schwappt das Wasser aus den Eimern und der gesamte Boden steht unter Wasser. Und weil wir im Bus keine Schuhe tragen dürfen, stehe ich barfuß in der 5 cm hohen Lache, von der ich mir einzureden versuche, dass sie nur aus Wasser besteht…

Ohne anzuhalten, fährt der Bus 13 Stunden durch. Noch weitere vier Male muss ich mir in dieser Zeit den Weg durch den schwankenden Bus zu diesem einladenden Plätzchen bahnen. An Schlaf ist kaum zu denken.

Ich bin erleichtert, als wir gegen 10 Uhr morgens Vientiane erreichen, 23 Stunden nach dem Aufbruch in Don Khon. Ein Tuktuk bringt mich zum Hotel. Das Zimmer ist noch nicht fertig.

Immer wieder habe ich das Argument gehört, ein Nachtbus spare eine Übernachtung. Ich kann kaum meine Augen offenhalten und versuche, einen klaren Gedanken zu fassen.

Es ist Freitag, die Deutsche Botschaft hat noch gut eine Stunde geöffnet. Ich kann es noch schaffen, meine Kreditkarte abzuholen. Also bestelle ich ein Tuktuk.

Nachdem ich am Eingang mein Anliegen vorgebracht und die Sicherheitskontrolle passiert habe, werde ich zu einem Raum vorgelassen, in dem mich ein freundlicher Beamter begrüßt.

Er überreicht mir den kleinen Umschlag, der eindeutig die Handschrift meines Vaters trägt. Ich öffne ihn und da ist sie endlich: meine neue Kreditkarte. Ich danke dem Mitarbeiter für die Mithilfe und gehe zurück zum wartenden Fahrer, der mich zum Hotel zurückbringt.

Auf der Rückfahrt halten sich Freude und Befürchtungen die Waage: Wird die Karte funktionieren? Kaum im Hotel angekommen, mache ich mich auf den Weg zum Geldautomaten.

Ich versuche, das aufgeregte Zittern meiner Hand zu unterdrücken, als ich die Karte in den Automaten stecke. PIN und Betrag eingeben. Der Automat lässt sich Zeit. Ich warte auf das Rattern hinter dem Ausgabefach.

Dann: ein Piepsen. Die Karte wird herausgeschoben und auf dem Bildschirm erscheint:

Bankdaten unvollständig. Vorgang abgebrochen.

Ich versuche es noch dreimal, jeweils mit niedrigeren Beträgen. Die Meldung bleibt die gleiche.

2 Antworten zu „Sleeper Bus.“

  1. Hallo Tom, das sind ja echte Abenteuer die du erlebst…..
    Ich bin immer neugierig und gespannt aufs nächste von dir.
    Bleib gesund.
    Grüße von Conny und Jörg

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  2. Avatar von Christine Hellmann
    Christine Hellmann

    Und nun? Ohne Geld ist ungünstig…..ich drück die Daumen, dass der nächste Automat freundlicher gesinnt ist. L.G Christine

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