Arts and Spa.

Am nächsten Tag komme ich spät los. Ich beschließe, diesen Tag langsam anzugehen. Gleich neben dem Hotel gibt es einen Barbier. Er hat sein Geschäft erst vor einer Woche eröffnet.

Ich lasse mich nass rasieren. Das heiße Handtuch, das fest um mein Gesicht geschlungen ist, tut gut. Danach kommt der Rasierschaum und ich freue mich, dass er ein richtiges Rasiermesser benutzt.

Nach der Rasur wickelt der Babier meinen Kopf in kältere Tücher und massiert meine Kopfhaut. So könnte ich öfter in den Tag starten.

Gleich an der nächsten Ecke gibt es ein kleines Café. Ich probiere einen vietnamesischen Kaffee. Unten in der Tasse befindet sich eine Kondensmilch-artige, süße Flüssigkeit, darüber ein bitterer und starker Kaffee.

Beide Schichten lassen sich nicht miteinander verrühren. Also trinkt man zuerst den bitteren Kaffee und zum Schluss kommt die süße, zähflüssige Schicht. Ein Geschmackserlebnis der besonderen Art, das sicher nicht jedermanns Sache ist. Mir gefällt es.

Ich schlendere noch ein wenig durch die Innenstadt und bin rechtzeitig zur Aufführung am Theater. Ich freue mich sehr auf die Aufführung.

Vor Jahren habe ich eine Dokumentation über diese Kunst gesehen. Darin wurde berichtet, dass sie ausschließlich in einem Land ausgeübt wird. Allerdings hatte ich vergessen, um welches Land es sich handelte. Umso erfreuter war ich, sie hier, in Vietnam, selbst erleben zu dürfen.

Als Bühne dient ein See, in dem, hinter einem Bambusvorhang, die Puppenspieler im Wasser stehen.

Die Puppen werden an langen Stangen unter Wasser geführt, so dass nur die Puppen aus dem Wasser ragen. Dadurch scheinen sie im Wasser zu schweben.

Früher hatte jedes Dorf, das an einem See lag, ein solches Puppentheater. Das Spielen der Puppen lag in der Hand einer Familie. Nur die Mitglieder dieser erlernten die Kunst, die Puppen zu schnitzen und zu spielen.

Schon die Kleinen fingen damit an. Je mehr Erfahrung sie im Laufe der Zeit sammelten, umso kompliziertere Puppen durften sie spielen.

Heute gibt es nur noch fünf Plätze, an denen das Wasserpuppentheater aufgeführt wird. Das berühmteste davon befindet sich in Hanoi, wo man für diese Kunst ein Theater errichtet hat.

Um kurz vor 15 Uhr ist Einlass. Ich habe einen Platz in der ersten Reihe. Zuerst betritt das Orchester die Bühne. Sie spielen nicht nur die traditionellen Instrumente, sondern sprechen auch die Texte der Puppen. Eine Solistin eröffnet die Aufführung mit einem vietnamesischen Wiegenlied.

Danach folgen eine Mischung aus Alltagsszenen, Mythen und Märchen. Die fließenden Bewegungen der Puppen, Musik und Gesang, ziehen uns in ihren Bann. Wir tauchen ganz in diese Zauberwelt ein.

Wasserpuppentheater

Wie schade, dass alles nach einer Stunde vorüber ist! Es fällt mir schwer, nach dieser Zauberwelt wieder in das hektische Leben Hanois zurückzufinden.

Danach laufe ich zum längsten Mosaik der Welt. Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass es über vier Kilometer lang ist.

Leider befindet es sich an einer Hauptverkehrsstraße. Ich mache ein paar Aufnahmen und begebe mich dann auf die Suche nach einer gut sortierten Apotheke.

Bei der Vorbereitung der Reise habe ich nicht damit gerechnet, dass es schwierig werden könnte, unterwegs gutes Verbandsmaterial zu beschaffen.

Die Wunden vom Motorradunfall müssen zweimal am Tag versorgt werden. Doch hier kennt man keine zuschneidbaren Pflaster. Nur wenige Apotheken führen fertige, luftdurchlässige Pflaster in der ausreichender Größe.

Hier arbeitet man mehr mit einer Art Mullkompressen, die mit Tape fixiert werden. Die Kompressen verkleben jedoch teilweise mit der Wunde, so dass man die frisch heilende Oberfläche bei jedem Verbandswechsel wieder aufreißt.

Ich versuche es bei fünf, weit auseinanderliegenden Geschäften, bis ich fündig werde. Ich kaufe gleich einen großen Vorrat für die nächste Woche. Ich freue mich wie ein Kind über diesen „Schatz“.

Für den Abend habe ich über das Hotel eine Massage in einem Salon gebucht. Ich habe einige Schwierigkeiten, den Platz zu finden. Dort angekommen werde ich in einen spärlich beleuchteten Raum geführt.

Ich bitte den Masseur darum, auf meine Wunden achtzugeben. Trotzdem dauert es nicht lange, bis er auf mir steht, mich mit seinen Füßen bearbeitet und dabei die Wunden schmerzhaft auf die Liege drückt.

Gut durchgeknetet beschließe ich den Abend im „Don Duck“, einem Restaurant, das sich auf Entengerichte spezialisiert hat.

Dort gelingt, was so vorher noch nicht gegessen habe: Entenbrust, die außen sehr knusprig, aber innen noch wirklich weich und saftig ist. Ein Hochgenuss zum Abschluss dieses runden Tages.

Eine Antwort zu „Arts and Spa.“

  1. Wasserpuppentheater???!!!?!!! Das Licht ist ja auch super, für Dich auch, oder? Danke fürs Mitnehmen.

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